Beim rheumatischen Fieber handelt es sich nicht um eine akute Infektion, sondern um eine Autoimmunreaktion. Das Immunsystem reagiert fehlgeleitet auf zuvor gebildete Antikörper gegen Streptokokken.
Dabei werden körpereigene Strukturen angegriffen, vor allem:
Gelenke
Herzklappen
Haut
Nervensystem
Rheumatisches Fieber ist damit klar von anderen rheumatischen Erkrankungen abzugrenzen.
Streptokokkeninfektion als Ursache
Auslöser ist eine Streptokokkeninfektion, meist durch Streptococcus pyogenes. Diese Infektion mit Streptokokken betrifft häufig den Rachen. Erfolgt keine rechtzeitige Behandlung mit einem geeigneten Antibiotikum, kann sich das Risiko deutlich erhöhen.
Ein Rachenabstrich oder der Nachweis spezifischer Antikörper kann die frühere Infektion bestätigen.
Autoimmunreaktion und molekulare Mimikry
Rheumatisches Fieber ist eine Autoimmunreaktion, die durch molekulare Mimikry erklärt wird. Bestimmte Strukturen der Streptokokken ähneln körpereigenem Gewebe.
Das Immunsystem unterscheidet nicht zuverlässig und greift:
Gelenkstrukturen
Herzgewebe
Herzklappen
an. Diese Entzündungsreaktion ist die Grundlage der Erkrankung.
Die Symptome des rheumatischen Fiebers sind vielfältig und können in Schüben auftreten.
Gelenkbeteiligung und wandernde Polyarthritis
Häufig tritt eine wandernde Polyarthritis auf. Dabei entzünden sich vor allem große Gelenke wie Knie oder Sprunggelenke. Typisch sind:
starke Gelenkschmerzen
Schwellung
Bewegungseinschränkung
Diese Form wird auch als poststreptokokkenarthritis beschrieben.
Herzbeteiligung und rheumatische Karditis
Die rheumatische Karditis ist die schwerwiegendste Komplikation. Sie kann verschiedene Strukturen betreffen:
Endokarditis (Herzinnenhaut)
Myokarditis (Herzmuskel)
Herzklappen, häufig die Mitralklappe
Eine Herzentzündung kann dauerhaft sein und zu einer bleibenden Herzerkrankung führen.
Neurologische und kutane Symptome
Weitere mögliche Symptome sind:
Chorea minor mit unwillkürlichen Bewegungen
Erythema marginatum, ein ringförmiger Hautausschlag
Subkutane Knötchen, meist über Knochenvorsprüngen
Diese Symptome gelten als Hauptkriterien der Erkrankung.
Das akute rheumatische Fieber beginnt meist zwei bis vier Wochen nach der Streptokokkeninfektion. Fieber, Entzündung und Organbeteiligung stehen im Vordergrund.
Unbehandelt kann rheumatisches Fieber wiederholt auftreten und zu bleibenden Schäden führen.
Diagnose rheumatisches Fieber
Jones-Kriterien
Die Diagnosestellung erfolgt anhand der Jones-Kriterien. Diese unterteilen sich in:
Hauptkriterien
Nebenkriterien
Zu den Nebenkriterien zählen Fieber, erhöhte Entzündungswerte und Veränderungen im EKG.
Zusätzlich ist der Nachweis einer vorausgegangenen Streptokokkeninfektion erforderlich.
Behandlung und Therapie
Die Therapie verfolgt mehrere Ziele:
Elimination der Streptokokken durch Penicillin oder Penicillin V
Entzündungshemmung bei Gelenk- und Herzbeteiligung
Vermeidung weiterer Schübe durch Prophylaxe
Das Antibiotikum wird meist über einen längeren Zeitraum verabreicht, insbesondere bei bestehender Herzbeteiligung.
Rheumatisches Fieber bei Kindern tritt häufiger auf als bei Erwachsenen. Besonders in Regionen mit eingeschränktem Zugang zur medizinischen Versorgung ist die Erkrankung verbreitet.
Kinder mit rheumatischem Fieber benötigen eine engmaschige Betreuung, um Spätfolgen zu vermeiden.
Prognose des rheumatischen Fiebers
Die Prognose des rheumatischen Fiebers hängt maßgeblich vom Ausmaß der Herzbeteiligung ab. Ohne Karditis ist die Prognose meist gut.
Bei einer rheumatischen Herzerkrankung können jedoch dauerhafte Schäden an der Herzklappe bestehen bleiben.
Rheumatisches Fieber lässt sich in vielen Fällen verhindern:
frühzeitige Behandlung einer Streptokokkeninfektion
vollständige Einnahme des Antibiotikums
konsequente Nachsorge bei bekannten Risikopersonen
So lassen sich schwere Folgeerkrankungen meist vermeiden.
Fazit
Kann man rheumatisches Fieber verhindern?
Rheumatisches Fieber ist eine ernstzunehmende entzündliche Erkrankung, die aus einer unbehandelten Streptokokkeninfektion entstehen kann. Eine frühzeitige Diagnose, korrekte Therapie und konsequente Prophylaxe sind entscheidend für eine gute Prognose.